Gewerbeverein Brechen

03.07.2010 Vor 85 Jahren : Bauernfest in Niederbrechen

Ausstellung des Gemeindearchivs Brechen in den Räumen der Kreissparkasse Limburg, Filiale Niederbrechen

Vor 85 Jahren, vom 4. bis 7. Juli 1925, fand in Niederbrechen der 6.
nassauische Bauerntag statt, der als „Bauernfest“ bei den älteren
Niederbrechener in lebendiger Erinnerung geblieben ist (ähnlich der 1935
stattfindenden Passionsspiele). Dieses Fest „von solcher Großartigkeit
und Ausdehnung, wie es hier und in der weiten Umgebung noch nicht erlebt
worden ist.“ - so das Heimatbuch zu Niederbrechen von 1925 - ist
Gegenstand einer Ausstellung, die das Gemeindearchiv Brechen
zusammengestellt hat und in der Niederbrechener Filiale der
Kreissparkasse Limburg präsentiert.

Aus Unterlagen des Gemeindearchivs (Bildarchiv, Festbuch zum Bauerntag,
Chroniken und Presseartikel des Nassauer Boten) wurde eine interessante
Ausstellung erstellt, die einen lebendigen Eindruck der damaligen Zeit
widerspiegelt. Kopien aus dem damals erstellten Festbuch geben Programm
und Ablauf dieses einmaligen Ereignisses wieder, Fotos zum Festumzug
dokumentieren eindrucksvoll die Größe der Veranstaltung. Schätzungen
zufolge kamen wohl rund 50.000 Menschen nach Niederbrechen; im alten
Heimatbuch von Niederbrechen ist zu lesen: „Sonderzüge mussten
eingestellt werden, um den Menschenstrom zu bewältigen. Personen- und
Lastautos brachten von allen Seiten noch ungezählte Scharen an den Ort
der Veranstaltung.“

Das Bauernfest fand auf den Wiesen links und rechts des Emsbaches im
Bereich der Nächtsau (heutiger Festplatz und Wiesen zwischen Emsbach und
Bahngleise) statt. Hier standen ein riesiges Festzelt sowie Buden und
Karussells und war genügend Platz für eine umfangreiche
Maschinenausstellung und Tierschau. Wegen einer unmittelbar vorher
festgestellten Maul- und Klauenseuche beschränkte sich die Tierschau nur
auf Pferde, die aber „in so großer Zahl aufgetrieben waren, dass die
Preisverleihung eine schwierige Aufgabe war“, so das Heimatbuch.

Das Großereignis wurde am Samstagabend mit einem Kommers im Festzelt
eröffnet, zu der die örtlichen und bäuerlichen Honoratioren ihre
Begrüßungen entrichteten. Neben Chorbeiträgen stand die Aufführung der
„Nassauischen Spinnstube“, einem Singspiel von Rudolf Dietz, durch die
Bauernschaft Dauborn im Vordergrund.

Am Sonntagvormittag fand die Vertreterversammlung der
Bezirksbauernschaft mit verschiedenen Reden und Vorträgen zur Situation
der Landwirtschaft statt, u.a. des Reichstagsabgeordneten Hepp, des
Landesrates Schlüter und des Vertreters der Landwirtschaftskammer
Hochratel.

Die Ausstellung landwirtschaftlicher Maschinen, war laut Angaben des
Nassauer Boten vom 06.07.1925 „sehr gut beschickt und auch besucht“; „an
den Vorführungen sah man, daß die bedeutend vorgeschrittene Technik dem
Landwirt seine Arbeit nach Möglichkeit zu erleichtern sich zum
Grundsatze gemacht hat.“

Der Glanzpunkt des ganzen Festes war aber der Festzug, der um 13 Uhr in
der Bahnhofstraße Aufstellung nahm und ab 14 Uhr mit über 32 Motivwagen
und verschiedenen Fußgruppen durch die mit Fahnen und
landwirtschaftlichen Emblemen festlich geschmückten Straßen der Gemeinde
zum Festplatz zog. Die Motivwagen, die von Handwerkergruppen und den
Ortsbauernschaften der umliegenden Gemeinden gestellt wurden, stellten
z.B. Flachsbearbeitung, Brennerei, Schäferei, Dorfschmiede, Ernte,
Alt-Niederbrechen, Weinbau etc. dar. Der Nassauer Bote schrieb hierzu:
„Am Nachmittage fand ein wohl gelungener imposanter Festzug durch die
Straßen Niederbrechens statt. Alle Sparten der Landwirtschaft, Weinbau
usw. waren vertreten, dazu die altertümlich anmutenden Kostüme der
Reiter und die farbenfrohen Kleider der Festzugteilnehmer, kurz, ein
wirklich schöner Festzug. Auch die Ortsbauernschaft war mit einem schön
geschmückten Wagen (ein Bauernhaus aus alter Zeit) beteiligt. Der
Verkehr vor und nach dem Festzug war direkt lebensgefährlich. Nur mit
Mühe konnte man sich einen Weg durch die ungeheure Menschenmenge bahnen.
Auf dem Festplatze entwickelte sich nach dem Festzug ein Volksfest wie
es in diesem Orte wohl noch nicht gesehen worden war. Zelt reihte sich
an Zelt, Glücksbuden, Karussells usw. fehlten ebenfalls nicht.“

Bilder des Festzuges sind Teil der Ausstellung in der Kreissparkasse und
zeigen eindrucksvoll Größe und Buntheit dieses „Hessentags“ der
Vergangenheit.

Interessant sind noch zwei Notizen in den Pfarrchroniken von
Niederbrechen und Werschau, die natürlich ebenfalls von diesem
einmaligen Ereignis berichten. So erwähnt die Werschauer Pfarrchronik
das Bauernfest im Zusammenhang mit der Anschaffung von zwei neuen
Glocken, die aufgrund privater Sammlungen finanziert wurden: „Am 4. Juli
trafen die Glocken am Bahnhof Niederbrechen ein. Sie mußten sofort
abgeholt werden, da die Bahn wegen des Bauernfestes in Niederbrechen den
Wagen nicht länger stehen lassen konnte.“ Auch in Niederbrechen wurde
1925 durch private Sammlungen das Geld für die Anschaffung von zwei
neuen Glocken zu-sammengebracht, wobei sich die Ortsbauernschaft mit
einer Summe von 300 Mark beteiligte. Dieses Geld war Teil einer Summe,
die sie als Vergütung für die Vorbereitung des Bauernfestes von der
Bezirksbauernschaft erhalten hatte.

Die Ausstellung kann noch bis Ende Juli 2010 in den Räumen der
Kreissparkasse Limburg in Niederbrechen, Obertorstraße 7, zu den
normalen Geschäftszeiten besichtigt werden.

Text Foto: Bauernfest in Niederbrechen 1925 : Festumzug: Schmiedeleute /
Am Festplatz

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