03.08.2011 Dorfkern verliert Lebensmittelgeschäft
Unternehmen: Otto-Katalogshop
„Wir trauern jedem Nahversorger im Ortskern nach“, drückte Bürgermeister Werner Schlenz sein Bedauern aus, als er von der Schließung des Lebensmittelgeschäftes Otto (vormals Antonio Peluso) erfuhr. Es sind dies die kleinen Geschäfte, die den Ort mitprägen und auch, wie in anderen Ortsteilen musste auch Ursula Otto gegen den Kundenschwund in den letzten Monaten ankämpfen. Bürgermeister Schlenz gab die „Schuld“ eben auch den Kunden, denn „es reicht eben nicht, wenn man schnell noch ein Päckchen Backpulver holt, was man beim Supermarkteinkauf vergessen hatte“ – davon kann man keine Existenz am Leben erhalten.
Und so geht ein weiteres Geschäft mit Herz dem Ort verloren. Ursula Otto, die seinerzeit das Geschäft mit und für ihren Sohn Christian zusammen mit ihrem zwischenzeitlich verstorbenen Mann Günther vom Vorbesitzer im Jahr 2004 übernommen hatte, hat noch bis August, denn zum 31.08.2011 ist Schlüsselübergabe. Bis dahin haben die Kunden noch Möglichkeit, bei ihr einzukaufen – neue Ware wird jedoch nicht mehr beschafft. Ob Paketshop oder Reinigungsannahme oder Angliederung an Einkaufsketten, es hat nichts genützt, wenn zu wenig Kunden den Weg zu ihr finden, muss sie die Notbremse ziehen, um nicht völlig dabei zu verlieren, betonte Ursula Otto, sichtlich geknickt, schon länger hat sie Eigenkapital mit in das Geschäft eingebracht, um es über Wasser zu halten. Die Geschäftsidee war nah am Kunden, sehr nah, denn viele ältere Menschen, die älteste Kundin war zuletzt 92 Jahre, waren in ihrem ganzen Leben noch nicht in einem Supermarkt – sie wären hoffnungslos überfordert, berichtet Ursula Otto. So war es für Familie Otto eine Selbstverständlichkeit, schwere Einkaufstaschen einfach bis nach Hause zu bringen, oder Bestellungen telefonisch entgegenzunehmen und zuverlässig zu liefern, genauso zuverlässig, wie ihre Kunden für sie waren, denn nach den Kunden konnte sie die Uhr stellen. Blieb ein Kunde oder ein solcher Anruf aus, machte man sich Sorgen. Bei jedem Geläut der „Totenglocke“ zuckte sie zusammen, waren es doch gerade die älteren Menschen, denen Sie und ihr Lebensgefährte Siegfried Otto eine Stütze waren. Es ist Zeit Danke zu sagen, das ist Ursula Otto wichtig, die diesen Schritt zwar aus vernünftigen Gründen geht, ihn aber gleichsam sehr bedauert. Sie bedankt sich bei ihren Kunden für die jahrelange Treue. Der Dorfkern von Brechen verliert ein markantes Gesicht, war es doch ein Eckgeschäft direkt gegenüber dem Hydepark und dem Rathaus, ein Geschäft, was bei Wegbeschreibungen oft markantes Objekt war.
(ehp/Peter Ehrlich)
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